Eine herbstliche Coworking-Rallye durch Salzburg
Am 24. September 2026 fand die zweite Coworking-Rallye im Rahmen des Euregio-Projekts KIOS (Kreativzentren als innovative Ökosysteme) statt, diesmal in Salzburg. Die Tour führte uns von Altenmarkt im Pongau über den Tennengau in die Stadt Salzburg. Und sie war vor allem im Hinblick auf die Unterschiedlichkeit der besuchten Orte äußerst abwechslungsreich.
Zum Beispiel
Der „Ennspark Coworking & Innovation Hub“ in Altenmarkt: Ausgangspunkt für diesen Ort ist Übernahme des Geländes eines früheren Textilproduktionsunternehmens durch den Unternehmer und Investors Martin Klässner. Die Nachnutzung adaptierter Hallen und Werkstätten bietet einer Reihe von lokalen Betrieben eine Herberge. Im noch freien Bürogebäude entstand vor einem Jahr der „Ennspark Coworking & Innovation Hub“, eine gemeinsame Initiative von Martin Klässner und der Unternehmerin sowie Betreiberin der Pongauer MINT-Initiative Melanie Hinterberger. Der Coworkingspace bietet auf zwei Ebenen sowohl geschlossene Einzelbüros als auch einige flexible und fixe Arbeitsplätze für junge Gründer und auch für Gäste der Region, ergänzt durch einen Gemeinschaftsraum für Treffen und Veranstaltungen. Als besonderes Angebot für junge Gründer:innen bieten die Betreiber:innen des Ennspark den Erlass von Mietkosten und ein Coaching- und Beratungsangebot in der Gründungsphase, finanziert durch einschlägige Förderprogramme.
Die „Tauglerei“ in St. Koloman: Ein ehemaliges Gasthaus im Ortszentrum wird multifunktional für Yoga- und Ayurveda-Angebote, für Coworkation sowie als Gaststätte und für Kulturveranstaltungen genutzt. Die „Tauglerei“ umfasst mehrere Ferienwohnungen sowie flexible und gestaltbare Räume, in denen sich Menschen entfalten können, so der Betreiber Patrick Sellier. Gäste der Tauglerei können sich hier erholen und an ihren Projekten arbeiten. Die Tauglerei ist so auch ein Ort für ungewöhnliche Begegnungen. Sara und Patrick Sellier kümmern sich als „Hosts“ um einen entsprechenden Rahmen, teilweise unterstützt Patrick Sellier Gründer:innen bei der Entwicklung ihrer Geschäftsideen. Nicht zuletzt ist die „Tauglerei“ auch Bühne für die „Tage der Potenzialentfaltung“.
Der „bluebird.space“ am Gelände der Panzerhalle in Salzburg-Taxham: Dieser ist unbestritten der größte und modernste Coworking Space in der Stadt Salzburg, seit 2020 von Helene und Markus Stainer betrieben. Der aktuell 950 m2 umfassende Ort ermöglicht von Ein-Personen-Unternehmen bis hin zu Teams internationaler Unternehmen – derzeit 60 Nutzer:innen – rund um die Uhr unterschiedliche Arbeitsplatzangebote (geschlossene Büroräume oder fixe oder flexible Arbeitsplätze in offenen Räumen). Darüber hinaus verfügt der bluebird.space über Workshopsräume, Begegnungszonen sowie eine elegante Eventfläche (die auch von externen Unternehmen gerne genutzt wird). Den Betreiber:innen des bluebird.space ist nicht nur eine perfekte Arbeitsumgebung wichtig, es wird auch in Community Building investiert. Als wichtige Maximen gelten: Die Nutzer:innen sollen möglichst lange bleiben. Sie sollen sich kennen und es sollen auch Verbindungen zwischen ihnen ermöglicht werden.
Das „House of Talents“ ist ein Pilot-Projekt des Salzburger Altstadtverbandes: Leerstände sollen für junge, im Bereich Gewerbe, Handel und Handwerk tätige Unternehmer:innen verfügbar gemacht werden. In Kooperation mit der Stadt Salzburg wird der Start von Jungunternehmer:innen durch günstige Mietkosten sowie Beratung und Marketing unterstützt. Das Pilotprojekt startete im Sommer 2026 mit zwei aus einem Bewerbung- und Auswahlprozess hervorgegangenen Unternehmer:innen im Textilbereich: „Dirndlfit“, ein Upcycling-Unternehmen für Trachtenbekleidung von Patricia Fichter sowie „Posh Alley Cats“, eine Produktion von Premium Vintage Shirts (Street Art in limitierter Auflage) von Christian Bernegger. Das House of Talents ermöglicht den beiden Jungunternehmer:innen bis zu drei Jahren äußerst kostengünstige Bedingungen und Unterstützung – als Grundlage für ihre nachfolgende Etablierung. Geplant ist, das Konzept an weiteren Orten der Altstadt (potenziellen Leerständen) auszurollen.
Die 2023 eröffnete „Pioniergarage“ in der Science City in Itzling: Sie ist eine Initiative der von Land, Stadt, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung getragenen Agentur „Innovation Salzburg“. Ausgehend von einem bereits seit 2014 bestehenden Makerspace wurde mit der Pioniergarage auf 400 m2 ein größerer Ort mit einer umfangreichen Making-Infrastruktur für unterschiedliche Anwendungen geschaffen – sei dies zum Beispiel in den Bereichen Textil, Holz, Metall, Lasercuting, Siebdruck, Gravur, 3-D-Drucken, Schweißtechnik, Sandstrahlen usw. Betreut wird der Makerspace von vier bis fünf Mitarbeiter:innen. Zielgruppen der Pioniergarage sind Hobbyhandwerker:innen, Schüler:innen und Studierende, Start-Ups und Untenehmer:innen sowie Bildungsanbieter. Inzwischen verfügt die Pioniergarage über 400 Mitglieder, kooperiert mit Hochschulen und Unternehmen und hat inzwischen einen weiteren Standort mit Schwerpunkt Künstlicher Intelligenz in Puch Urstein eröffnet.
Fazit der bisherigen Rallyes (Juni im Bayern, September in Salzburg): Coworkingspaces, Makerspaces und Hubs sind in keinster Weise einheitlich. Ihre Entstehungshintergründe und Rahmenbedingungen sowie die Ideen und Konzepte ihrer Betreiber:innen sind äußerst unterschiedlich.
Ein guter Anlass für Erfahrungsaustausch zwischen den Betreiber:innen und daraus resultierende Learnings für ihre Weiterentwicklung.
Foto: Iryna Volodarska
