KIOS hat Fahrt aufgenommen

Foto: © Günther Marchner

Kreativzentren – Coworking Spaces, Maker Spaces, Mini Hubs – als gemeinschaftliche Orte von Ein-Personen- und Kleinstunternehmen – bereichern die Gewerbelandschaft im EUREGIO Raum Salzburg-Berchtesgadener Land und Traunstein. Sie ermöglichen die Nutzung gemeinsamer Infrastruktur, Austausch und Vernetzung sowie Impulse für eigene Ideen, Kooperationen und neue Gründungen. Kreativzentren sind für Unternehmen im Digital-, Kreativ- und Handwerksbereich von Interesse. Ihre Anzahl wächst und es wird ihnen eine Bedeutung als „Ökosysteme“ für innovative Ideen und Gründungen zugeschrieben. Allerdings sind viele dieser Orte und auch ihre Möglichkeiten noch zu wenig bekannt.

Das Projekt KIOS macht Kreativzentren sichtbar, vernetzt ihre Betreiberinnen, fördert ihre Weiterentwicklung und schafft Bildungsangebote.

KIOS ist eine Partnerschaft von conSalis (Salzburg), B 1 Coworking Traunstein, Gemini (Salzburg), Innovation, Technology & Science Center e.V., Tourismusverband Salzburger Altstadt sowie der LAG Lebens.Wert Pongau-Tennengau und der Chiemgau GmbH für Wirtschaftsförderung.

Im Zeitraum zwischen April 2026 und November 2027 bietet KIOS Präsentations- und Vernetzungsmöglichkeiten, Ideenentwicklung, Weiterbildungsprogramm sowie Erfahrungsaustausch und Strategieworkshops.

Nun hat das Projekt KIOS im ersten Halbjahr 2026 an Fahrt aufgenommen.

Am 16. April stellte sich KIOS erstmals in Form eines Pecha Kucha-Abends öffentlich vor. Rund 30 Gäste erhielten einen Einblick in Beispiele, Themen und Fragen von Coworking- und Makerspaces. Konkrete  Beispiele wurden präsentiert wie zum Beispiel B 1 Coworking Traunstein, die Pioniergarage, Patchwork in Seeon oder das House of Talents des Altstadtverbandes. Im Gegensatz zur immer wieder vermuteten Annahme, Coworking hätte seinen Zenit überschritten, trifft dies auf die Realität nicht zu. Mag vielleicht der Hype und der Neuigkeitswert rund um dieses Thema vorbei sein, so zeigt die Vielzahl an gemeinschaftlichen Kreativorten (rund 30 solcher Orte gibt es im Zentralraum Salzburg und benachbarten Bayern) ihre Relevanz.

Am 18. Mai diskutierten im Rahmen eines „BarCamps“ bei akzente Salzburg die Teilnehmenden über kollaboratives Arbeiten und neue Arbeitswelten. Dabei kamen nicht nur Coworkingspaces im engeren Sinne zur Sprache, sondern auch andere Modelle wie zum Beispiel ehrenamtlich organisierte Gemeinschaftsorte für handwerkliche Tätigkeit (OK Werkstatt), die Zwischennutzung von Leerständen (Super) oder gemeinschaftliche Pop-ups für künstlerische Projekte, Performances und Präsentationen (Free Art Space).

Als Merkmale für das Funktionieren von Coworkingspaces gab es Konsens über wichtige Elemente:

  • Eine gemeinsam gewachsene Gestaltung und Atmosphäre von Räumen
  • Spielregeln, aber vor allem auch Eigen- und Mitverantwortung der Beteiligten
  • Betreuung und Management
  • Nicht nur individuelle Arbeitsplätze, sondern eben auch Räume für Austausch und Begegnung
Foto © Günther Marchner

Es wurde auch deutlich, wie sehr die Gestaltung von Coworkingspaces von ihren Betreibern und ihren „Philosophien“ abhängt, die auch entsprechende Zielgruppen anzieht. Denn die Bedürfnisse und Ansprüche an Coworking sind durchaus unterschiedlich. Und die Bandbreite scheint groß: Sie reicht von kleinen privaten Initiativen von Selbständigen, über gewerblich organisierte größere Zentren bis hin zu institutionell initiierten Orten für Gründer, dies in Verbindung mit öffentlichen Förderungsprogrammen.

Ein besonderes Highlight bildete die „Coworking-Rallye“ vom 18. Juni rund um den Chiemsee, in deren Rahmen rund 20 Teilnehmende mehrere Coworkingspaces kennenlernen konnten:

Im B 1 Coworking Traunstein (Projektpartner von KIOS) sind ca. 30 bis 35 Nutzer:innen aktiv – vorrangig Selbständige aus unterschiedlichen Branchen, der Ort verfügt über einen zentralen Küchenbereich, der Austausch und Begegnung fördert;

Patchwork in Seeon, basierend auf der Initiative von Mitgliedern eines Familienunternehmens mit speziellen Kompetenzen in Bereichen Coworking und Architektur: Die Initiative agiert mit dem Slogan „Neues Arbeiten braucht neue Orte“ und „Arbeiten in der Region“. Für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen in einem Einzugsradius von 25 Kilometern bietet Patchwork in einem Neubau mit rund 2000 m2 Nutzfläche Arbeitsräume, Büros und einen Begegnungs- und Austauschort, das vor drei Jahren gestartete Projekt beherbergt inzwischen 75 Arbeitsplätze.

Coworking Bernau, entstand 2019 als Erweiterung des Büros eines Dienstleisters aus der Automotivebranche und einer Innenarchitektin, mit derzeit 16 Mietern und 10 Tagesgästen, in Bahnhofsnähe und in ruhiger Lage.

Wie auch im Fall von Patchwork wird dabei ein vermehrter Bedarf an Veranstaltungs- und Seminarräumen sowie an Begegnung und Austausch wahrgenommen. Und es geht weniger um „klassisches“ Coworking, sondern mehr um Dauermiete in abgeschlossenen Büroräumen, allerdings mit Gemeinschaftsanschluss.

„Wandl“ in Rupolding meint nicht nur die Neunutzung einer ehemaligen Tankstelle im Ortszentrum mit Café, Coworkingspace und Veranstaltungsraum, denn dieser Ort ist Teil eines größeren Rahmens: Die Eigentümer:innen führen in Ruhpolding ebenso ein Seminarhotel als Premium Location sowie ein Startup für KI-Weiterbildung und ein Beratungsunternehmen.

Der „Impact Hub“ in Traunstein stellt eine institutionelle Gründung auf dem Gelände Campus St. Michael, einer kirchlichen Einrichtung, dar. Der Er bietet Raum für Gründer:innen vor allem im Bereich nachhaltiger Lösungen im Kontext der ökosozialen Transformation – dies in Verbindung mit Gründungs-, Forschungs- und Innovationsprogrammen. Es handelt sich um den ersten Impact Hub im ländlichen Raum in Deutschland, errichtet in Lehmbauweise mit 200 m2 Nutzfläche. Dieser ist organisatorisch Teil des Impact Hub München, dies in Verbindung mit einem internationalen Netzwerk von Impact Hubs weltweit.

Kurzes Fazit: Die Unterschiedlichkeit von gemeinschaftlichen Kreativorten ist groß, aber ebenso auch das Potenzial dessen, was man voneinander lernen kann.

Nicht zuletzt zeigte der Start des Bildungsprogramms von KIOS für Schüler:innen am 28. Juni im House of Talents den Bedarf und das Interesse an der Vermittlung von Handwerks- und Digitaltechnik, wie es der Projektpartner Gemini erfolgreich vermittelt.

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