Vom FUNKTIONIEREN zum SELBSTKONTAKT

Foto: © Alexandra Riffler

Wie oft in unserem Alltag nehmen wir uns bewusst die Zeit und geben unseren EXISTENZIELLEN & ESSENZIELLEN THEMEN und uns SELBST RAUM?

– Existenz & Essenz = unser Leben, unser Dasein im Wesentlichen, im Kern betreffend –

Wir leben in komplexen, herausfordernden Zeiten und stehen häufig unter erhöhtem Druck durch Erwartungen von außen und innen – vielleicht ist es auch einfach nur ein „Zu-Viel“. Die Beschleunigung des Lebens, die ständige Verfügbarkeit und das hohe Tempo, aber auch mangelnde Abgrenzung nach außen oder zu hohe Ansprüche an uns selbst führen oft dazu, dass wir den Kontakt zu uns verlieren.

In meiner Arbeit mit Menschen im Coaching und in der Lebens- und Sozialberatung (in Ausbildung unter Supervision) begegne ich fast täglich diesem Phänomen. Aus meiner Praxis und meiner tiefen Auseinandersetzung mit diesem Thema möchte ich hier aus unterschiedlichen Perspektiven ein paar Einblicke dazu geben:

1. Der Mensch im Mittelpunkt

Aus der Perspektive der Existenzanalyse steht der Mensch als Person und einzigartige Persönlichkeit im Mittelpunkt. Er existiert in einer faktischen Realität – im konkreten Leben, in seiner individuellen Entwicklung und im stetigen Wirken, das daraus erwächst.

Als diese Person haben wir maßgeblich Einfluss auf unseren inneren und äußeren Ausdruck – unsere Kommunikation. Alles, was uns umgibt, fließt in unser System ein und formt die Art und Weise, wie wir der Welt begegnen. Dies ist kein passiver Zustand, der einfach vorhanden ist, sondern verlangt nach einer aktiven Zuwendung: Die bewusste Arbeit an der Person und der eigenen Persönlichkeit ist das Fundament dafür. Erst durch diese innere Klärung wird es möglich, den Kontakt zu sich selbst überhaupt wieder zu finden.

2. Das Paradoxon des „Zu-Viel“

Unsere Realität sieht jedoch oft anders aus. Wir erleben ein chronisches „Zu-Viel“. Warum? Weil „das Andere“ mit enormer Wucht auf uns einwirkt, ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein.

Themen, die unser Leben im Kern beschäftigen, berühren und eigentlich bewegen, geraten in den Hintergrund. Wir geben ihnen zu wenig Raum im Alltag, obwohl sie für uns von unschätzbarem Wert und tiefer Wichtigkeit sind. Warum geschieht das? Termine, Verpflichtungen, digitale Reizüberflutung und die ständige Erreichbarkeit legen sich wie eine Schicht auf unsere Essenz. Dieses Ungleichgewicht führt zu einer Entfremdung unseres eigentlichen Kernes und wir funktionieren nur noch.

3. Die Grundmotivationen der Existenzanalyse: Zeit und Raum für den Kern

Wenn wir nun die Person, ihre Persönlichkeit und ihre Existenz im Kern betrachten, können wir uns sehr gut auf die Grundmotivationen der Existenzanalyse stützen. Sie stellen uns vor die fundamentalen Lebensfragen, die über unseren Ausdruck und unsere Wirksamkeit entscheiden:

In der 1. Grundmotivation geht es um das Fundament: Ich bin – kann ich sein? Sie fordert uns auf einen Raum zu kreieren, in dem wir uns selbst radikal (von der Wurzel, lat. radix, her) annehmen können. Es geht um ein echtes DA SEIN KÖNNEN. Die entscheidende Frage hier lautet: Finden wir dafür genügend Schutz, Raum und Halt? Erst aus dieser sicheren Basis heraus gelingt in der 2. Grundmotivation das emotionale Zuwenden zu den eigenen Werten und Gefühlen mit voller Aufmerksamkeit. Die Kernfrage hier lautet: Ich lebe – mag ich leben? Sie führt uns tiefer in die Welt der Emotionen, Beziehungen und Werte. Im stressigen Funktionieren verlieren wir oft das Gespür für das, was uns eigentlich wertvoll und wichtig ist. Erst wenn wir uns die Zeit und den geschützten Raum nehmen, um unsere eigene Biografie zu erkunden, erfahren wir ein echtes Leben-Mögen. Wir spüren, was uns berührt und verwandeln „kaltes“ Funktionieren zurück in eine lebendige, resonante Werteorientierung.

Die 3. Grundmotivation schafft schließlich die Begegnung mit uns selbst auf Augenhöhe: Ich bin ich – darf ich so sein? Sie stellt die unbestechliche Frage nach der eigenen Identität und dem Selbstwert. In einer intensiven Auseinandersetzung klären wir das Verhältnis zu uns selbst. Hier finden wir das innere Lot und die Erlaubnis zum Selbst-Sein.

Wenn wir so mit uns in KONTAKT gehen, beginnen wir, unsere ureigenen ANT-WORTEN auf das Leben zu finden und geben unserem Wesen eine Stimme und einen tieferen Sinn.

Dies schafft den Boden für die 4. Grundmotivation: Ich bin da – wofür soll ich da sein? Sie ist die Übereinstimmung, die Vollendung im Sinn-Wollen und drängt unaufhaltsam in den schöpferischen Ausdruck und die Aktion. Sinn entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern durch die phänomenologische Hingabe an die Situation: Was braucht die Welt von mir? Was fragt sie an und wie kann, mag, darf und soll ich darauf antworten? Dabei aber auch zu prüfen, ob es gut ist für andere, die Welt, die Zukunft. Aus dieser klaren Erkenntnis erwächst aus dem Vertrauen, über die Werte und die eigene Authentizität mutiges Handeln. Worte in ihrer Wirkung und unsere Wahrnehmung werden hier zu Gestaltungswerkzeugen, die psychologische Sicherheit stiften, Zukunft formen und komplexe Systeme in Bewegung bringen.

4. Vom Erkennen zum Verkörpern: Mein Ansatz im Coaching und der Beratung

Das Erkennen dieser Dynamiken ist der erste Schritt – die Integration in den Alltag jedoch der eigentliche Weg. Hier setzt meine Arbeit im Coaching und in der Lebens- und Sozialberatung (in Ausbildung unter Supervision) an. Gemeinsam schaffen wir einen geschützten Raum, um die Selbstwahrnehmung, aber auch die Selbstregulation zu stärken. Ziel ist es, innere Stabilität und Ausrichtung hin zu existenzieller und essenzieller Stimmigkeit spürbar zu verankern – als stimmigen inneren und äußeren Ausdruck. Diese Arbeit beginnt im Kern, an der eigenen Persönlichkeit und der individuellen Biografie, die uns privat und beruflich einzigartig macht. 

Zum Abschluss dieses Beitrags möchte ich zu einem kurzen Moment des Innehaltens einladen, verbunden mit drei wesentlichen Fragen an das eigene Erleben: 

  • Erkenne ich daraus auch etwas in meinem Leben?
  • Was macht das mit mir?
  • Und: Was kann ich vielleicht daraus für mich selbst mitnehmen?

Gerne können wir auch in einem ersten persönlichen, unverbindlichen Gespräch gemeinsam darüber reflektieren und aus meiner phänomenologischen Haltung des Existentiellen Coachings heraus hinsehen, was sich zeigt. Mein Kontakt über E-Mail: alexandra.riffler@coansalis.at

Ein Ausblick: Die Arbeit an der eigenen Person ist das Fundament, auf dem auch unser Ausdruck nach außen ruht. Wie diese innere Klärung unsere Interaktion prägt, im nächsten Artikel: „KOMMUNIKATION in komplexen ZEITEN – Wie wir durch verkörperte Präsenz echte Verbundenheit und psychologische Sicherheit schaffen können.“

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