Grundlage für Ortskernstärkung und Chance für neue Dialog- und Beteiligungskultur
Im Auftrag der Gemeinde Bad Mitterndorf begleitete, moderierte und dokumentierte conSalis-Mitglied Günther Marchner zwischen 2023 und Oktober 2024 den „Beteiligungs- und Dialogprozess Masterplan Bad Mitterndorf 2030“, ein Projekt im Rahmen eines Calls der Lokalen Agenda 21 mit Fokus auf Ortskernstärkung, an dem sich eine Reihe von steirischen Gemeinden beteiligten.
Anlass und Hintergrund für das Projekt waren aktuelle Herausforderungen der Entwicklung des Ortszentrums sowie generell die Entwicklung der Lebensqualität in der Gemeinde.
Einige Themen waren bereits Gegenstand einer vorangegangenen lokalen Zukunftswerkstatt. Zudem ist die Gemeinde Bad Mitterndorf nach wie vor mit den Folgewirkungen der Fusionierung Großgemeinde konfrontiert. 5.000 EinwohnerInnen verteilen sich über mehrere Ortsteile und es geht auch darum, deren Attraktivität, Funktionsfähigkeit und Lebendigkeit zu sichern.
Rund 100 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich zwischen Frühjahr 2023 und Frühsommer 2024 im Rahmen von Arbeitsgruppen, einem Visionstag und nachfolgender Gesprächsrunden an diesem Prozess. Sie analysierten und bewerteten gegenwärtige Entwicklungen und brachten konkrete Ideen ein. Zwischenzeitlich wurden Ergebnisse öffentlich präsentiert und diskutiert.
Auf Grundlage der Ergebnisse des Beteiligungsprozesses und unter Berücksichtigung aktueller Konzepte, Leitbilder und Programme in verschiedenen Sachbereichen entstand als Herzstücks des Masterplanes ein Maßnahmenkatalog:
Dazu zählt zum Beispiel ein „Verkehrs- und Gestaltungskonzept“ für das Ortszentrum: Der Erfahrung nach erweist sich Verkehrsberuhigung und die attraktive Gestaltung von öffentlichen Plätzen (mehr Platz zum Verweilen, für Aufenthalte, für Fußgänger) als wichtige Grundlage für Belebung. Ebenso findet sich im Maßnahmenkatalog der Vorschlag für ein „Management“ für vielfältige Bestandsnutzung. Damit in Verbindung sollen möglichst vielfältige Nutzungsmöglichkeiten (z.B. Coworking, neue Gemeinschaftsorte) der Vermeidung von Leerstand und der Belebung des Ortszentrums von Bad Mitterndorf dienen. Als besondere Idee gilt ein „Entwicklungsfonds“ für strategische Investitionen, dieser soll als Steuerungsinstrument bei der Entwicklung von Ortskernen und für die Schaffung von Wohnraum dienen. Auch einzelne Projekte wurden in den Katalog aufgenommen wie zum Beispiel: der Umbau eines ehemaligen Gemeindeamtes in einem kleineren Ortsteil zu betreubaren Wohnungen und einem Generationen Café oder die multifunktionale Neunutzung eines Altbaus im Ortszentrum (Gemeindesaal, Vereinstreff, Ausstellungsraum für Geschichte). In Kooperation mit einem Projekt der Kulturhauptstadt Bad Ischl-Salzkammergut 2024 („Rurasmus“) analysierte ein Raumplanungsstudent im Rahmen seines viermonatigen Aufenthalts in der Gemeinde Möglichkeiten zur Schaffung von neuem Wohnraum durch Adaptierung von Bestand. Die Ergebnis dieser Arbeit fließen in den Masterplan ein. Als besonderes Thema wurde im Rahmen der Arbeitsgruppen mehrfach die als problematisch empfundene Entwicklung des Tourismus angesprochen. Eine eigens dafür organisierte Gesprächsrunde mit Tourismusbetrieben mündete in einer neuen Vereinbarung für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Tourismusverband und Tourismusbetrieben.
Wo liegen der Sinn und die Wirkung eines derartigen Projekts?
- Wichtige, aber bislang unbehandelte Themen können im Rahmen eines derartigen Prozesses in strukturierter und transparenter Form zur Agenda und damit bearbeitbar werden.
- Das Engagement sowie das Kreativ- und Wissenspotenzial von Bürgerinnen und Bürgern kann in diesem Rahmen für Ideenentwicklung genutzt und zu einer tragfähigen Basis für Entscheidungen und Projekte der Gemeinde werden.
- Für altbekannte Probleme können neue, innovative wie ungewohnte Lösungsansätze entstehen.
- Der Masterplanprozess kann als Grundlage für eine zukünftige Kultur des Dialoges und der Zusammenarbeit in der Gemeinde genutzt werden.
Aber ebenso wie breite Beteiligung, gute Ideen und einem Maßnahmenkatalog braucht es entsprechende Voraussetzungen für die Umsetzbarkeit der Ergebnisse des Masterplanes. An diesen wurde in den letzten Monaten gearbeitet. Dies betrifft die Nutzung von Förderprogrammen für die Umsetzung der Projekte ebenso wie die gezielte Kooperation mit anderen Gemeinden zu gemeinsamen Vorhaben.
Bild: © ri sim jk
